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Von 2006 - 2011 habe ich hier ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
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Mein Twitter, Dein Twitter, unser Twitter

03.06.2009

Wir Menschen neigen dazu, unsere eigene Erfahrung und unser eigenes Erleben für allgemeingültig zu halten.

Und in vielen Fällen ist das auch sogar richtig oder die Unterschiede sind unbedeutend. Denn natürlich gibt es Erfahrungen, die für uns alle erst einmal gleich sind – wir alle in Deutschland sind zur Schule gegangen, wir alle kennen gleiche Läden, gleiche Marken und haben die gleiche Regierung – um ein paar völlig willkürliche Beispiele herauszugreifen.

Unterschiede gibt es bei diesen Erfahrungen nur in der Art und Weise WIE wir sie erleben oder damit umgehen – denn wie man die Schulzeit überstanden hat oder was man aus dem täglichen Überangebot kauft, ist bei jedem schon verschieden.

Schwieriger wird es, wenn man auf Dinge stößt, die allgemeingültig scheinen, es aber nicht sind.
Gerade das Web bietet da einiges an Möglichkeiten, die wir alle in unserer täglichen Diskussion meist vollständig ausblenden oder sogar vergessen.

Das größte Aha-Erlebnis hatte ich da letztens mit Twitter.

Ich kenne einen Teil meiner Follower persönlich und/oder habe auch noch auf anderen Kommunikationswegen Kontakt zu ihnen. Und natürlich reden wir auch über Twitter. Wir unterhalten uns über Themen, die dort diskutiert werden und über Dinge, die jemand anders gesagt hat.

Und dann saß letztens einer meiner Follower vor meinem Computer und sagte »Dein Twitter ist viel ernster als meins«.

Dein Twitter? Ach so, mein Twitter. Natürlich. Logisch. Meine eigene Timeline. Den Ausschnitt aus twitter, den ich mir pesönlich zusammengestellt habe und den ich – nur menschlich – für das Ganze nehme.
Jeder hat nämlich nur das Twitter, was er sich selbst macht.

Und so ist es eigentlich unmöglich, über twitter zu sprechen. So ist es zum Beispiel genauso unmöglich zu behaupten, dass dort »nur Belanglosigkeiten ausgetauscht werden« wie zu sagen dass »twitter der neue Journalismus ist«.
Jeder, der über twitter spricht, kann nur – und das schon bevor seine eigene Bewertung überhaupt beginnt – über seinen eigenen Ausschnitt, über seine eigenes Erleben sprechen. Und das ist in diesem Fall völlig irrelevant, weil jeder der Millionen anderer twitter-User ein anderes hat.

twitter ist abgebildete Kommunikation zwischen Menschen. Mein twitter ist ein Ausschnitt daraus, den ich – warum auch immer – hören möchte.

Mehr über twitter allgemein zu sagen ist eigentlich unmöglich.

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