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Medienkompetenz beim Konsumieren im Web 2.0

09.06.2007
Crazy KidBei meinem letzten Vortrag zum Thema »Web 2.0« drehten sich die meisten Nachfragen nicht um technische Themen, sondern um den Umgang der Menschen mit den Diensten, die unter diesem Schlagwort firmieren.
Zum einen ging es natürlich darum, warum Menschen sich in irgendeiner Form im Internet einbringen möchten.
Zum anderen aber auch viel darum, wo der einzelne seine Grenze zieht, wie weit er sich im Internet darstellen möchte, wie viel Content er also generaten möchte (man verzeihe mir bitte diese kleine Vergewaltigung der Sprache) und ob und was für Folgen das im »echten leben« haben kann.

Die Qualitätsfrage: erst einmal irrelevant
Je nach Einstellung kann man das, was man an Bildern bei flickr und Co., und an Videos bei YouTube findet, entweder begeistert als die individuelle Ausdrucksform des einzelnen oder aber auch als belanglosen Müll ansehen. Aber darum soll es hier gerade nicht gehen.

Screenshot WayBack-Machine unter www.archive.orgDas Internet vergisst nichts.
Wenn man sich in den gängigen Portalen umsieht stellt man sich oft die Frage, ob diejenigen, die dort ihre Urlaubsvideos oder Szenen aus dem Alltag zur Schau stellen auch noch in fünf oder zehn Jahren mit diesen Szenen in Verbindung gebracht werden möchten. Und auch in den Studentenportalen sind nicht alle nur auf der Suche nach später geschäftlich nützlichen Kontakten.

 

Screenshot Google-Eingabe zur Suche nach Max MustermannDer generierte Content begegnet einem oft zweimal
Schon jetzt suchen Personalchefs ganz selbstverständlich erst einmal bei Google und in den »social Networks«, ob sie nicht etwas finden, mit dem sie den Bewerber im Gespräch erst einmal konfrontieren. Vielleicht gibt es ja Drogenprahlereien aus dem letzten Ibiza-Urlaub, oder Sprüche unter der Gürtellinie, die in einer hitzigen Diskussion nachts um zwölf leichter in die Tastatur und irgendein Web-Forum flossen, als man sie bei wachem Kopf sagen würde.
(Wer es einmal ausprobieren möchte, kann ja seinen Namen und auch ein paar verwendete eMail-Adressen bei Google eingeben. Oft tauchen da Dinge auf, die man selbst nicht mehr wusste.)

Kompetenz beim erstellen
So bedarf es also einer gewissen Kompetenz im Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Man muss wissen, dass das Internet nichts vergisst und muss versuchen abzuschätzen, zu welchen Äußerungen man auch Jahre später noch stehen kann.

 

Das Bluetooth-IconDas böse Internet?
Aber ist - wie man so oft hört - »das Internet«, sind die neuen Möglichkeiten schuld daran, dass Menschen sich ausprobieren und Dinge tun, die nichts mit dem Berufsleben zu tun haben und die auch den Chef nichts angehen?
Dank Handykameras und schneller Internetzugänge, dank Web 2.0 aber auch dank Bluetooth und der Möglichkeit, Filme blitzschnell über alle Handys einer Schulklasse zu verbreiten sind die Zeugnisse davon zwar heute schneller verbreitet als noch vor wenigen Jahren. Und dank Google-Cache und der WayBack Machine kann man vieles davon auch noch länger im Internet finden, als man vermutet hätte. Oder man sieht sich selbst auf einmal bei einer der unzähligen Shows, die »das beste aus dem Internet« präsentieren.
Aber daran ist ja nicht das Medium schuld, sondern - wenn es überhaupt um eine Schuldfrage geht - die User.

 

Kompetenz beim Konsumieren
Deswegen gehört genau so gut die Kompetenz derjenigen dazu, die Filme oder Beiträge vorfinden.
Hat deswegen auf einmal jeder, der diese Inhalte sieht das Recht, sie in sein Bild der betroffenen Personen mit ein zu beziehen? Hat ein Personalchef das Recht, seine Bewertung eines Angestellten, der seit mehreren Jahren gut und zuverlässig arbeitet zu ändern, weil er auf einmal ein Video davon gesehen hat, was sein Angestellter in den zwei Wochen Sommerurlaub tut?
Was sagt es über das Verhältnis zwischen Chef und Angestellten aus, wenn er das Urlaubsfilmchen, das er bei MyVideo oder sonstwo im Internet gefunden hat nicht lächelnd übergeht, sondern gegen seinen (zukünftigen) Angestellten benutzen will?

Jeder normal denkende Mensch sollte da schon unterscheiden können - und den Unterschied zwischen einem Urlaubsspass, einem lustigen Lipsync-Video oder zum Beispiel der gefilmten Vorbereitung einer kriminellen Aktion verstehen und einordnen können.

Auch das ist nämlich Medienkompetenz. Und da wir - egal wie wir dazu stehen - in einer Zeit leben, in der sich jeder so gut oder schlecht er kann weltweit präsentieren kann eine dringend nötige.

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