Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich hier ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
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Digital Strangers?

24.09.2010

Luca Hammer, geschätzter WebWorker und -thinker aus Österreich hat drüben in seinem Blog eine nicht gehaltene Keynote veröffentlicht. Er beschreibt den Alltag eines »Digital Residents«, also eines der Menschen, die den alten T-Online-Slogan »ich leb’ online« so viel mehr mit Leben füllen, als es sich die Telekom damals in ihren kühnsten Träumen hätte vorstellen können.

Wunderbar fasst er zusammen, was auch ich immer wieder erkläre, wenn ich gefragt werde, warum ich so viel am Internet sitze. Was es für einen Wert hat, ständig online zu sein. Ein schöner Text, ein guter Text, wie ich finde. Trotzdem schreibt er, er habe die Keynote nicht gehalten. Zu allgemein, zu oft gehört sei sie.

Und natürlich hat er Recht.

Und natürlich hat er nicht Recht.

Warum nicht?
Weil wir alle »hier« eine eingeschränkten Horizont haben. (Das macht nichts, das hat jeder. Und das ist auch heilbar.)

Aber wenn wir die Welt in »Digital Residents« und »Digital  Immigrants« unterteilen, also …

Personen wie mich, also Leute die im Internet zuhause sind und es eigentlich täglich nutzen [und in] die Digital Immigrants. Leute, denen das ganze fremd vor kommt. Sie nutzen es auch, aber bei weitem nicht so intensiv. Sie haben wenig Vertrauen und das Internet macht ihnen etwas Angst. 

… dann vergessen wir die Digital Strangers. Völlig klar, denn die sehen wir ja nicht. »Wir« lesen keine Zeitungen mehr, schauen kein Fernsehen, wir kommunizieren online – also findet offlne-Leben für uns nicht statt. Oder ist etwas aus dem Blickfeld gerutscht.

Aber auch, wenn ich selbst immer wieder gerne die ARD-ZDF-Online-Studie zitiere und mich daran erfreue, dass über zwei Drittel der Deutschen mehr oder minder regelmäßig online sind, dann bedeutet das zum einen, dass eben ein Drittel es nicht ist. Und wie die zwei Drittel das Web nutzen, das wissen wir auch nicht: Wie viele von ihnen Residents und wie viele Immigrants sind. Oder anders: Wie vielen Menschen das hier alles sehr, sehr fremd ist.

Und deswegen merke ich: ich will solche Vorträge halten. Ich will diese Gespräche führen. Ich will aus meinem Leben erzählen, damit Menschen bei dem Wort »Internet« nicht nur an Kriminalität und Angst denken, sondern daran, wie sehr das Web das Leben vereinfacht.
Mal sehen, wie ich das (noch mehr) machen kann.

Ps.: Ich sitze übrigens gerade in einer fremden Stadt in einem fremden Cafe und warte auf einen Termin. Dank Internet habe ich diese Cafe gefunden, dank Internet spreche ich gerade nebenbei mit einem Kollegen und kann Zeitungen, Blogs, facebook, Feeds und all das lesen. Und darüber schreiben. That‘s why I like it so much.

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