Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich hier ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Die Mehrheit schweigt. Na und?

29.09.2008

»Die Mehrheit schweigt« stellt Jan Bojaryn in einem Artikel im Dr. Web - Blog fest.

»Na und?«  frage ich.

Natürlich stimmt es, dass sich im Blog, im Forum oder auch nicht-öffentlich über ein Kontaktformular meist nur die Menschen zu Worte melden, die etwas zu kritisieren haben. Nur selten findet man unter einem Blog-Artikel zustimmende Äußerungen, meist nur dann, wenn sich ein Autor über Jahre eine gewisse Fangemeinde erarbeitet hat und die Kommentatoren sich - bewusst oder unbewusst - ein Stückchen dieses Ruhms mitnehmen möchten. Und auch diese Kommentare sind dann natürlich alles andere als repräsentativ.

 

Foto einer Gross-Demonstration

 

Ist es also komplett sinnlos, auf auch nur einigermaßen repräsentatives Feedback zu hoffen? Vermutlich ja.

Macht es also gar keinen Sinn, über die eigene Website Feedback-Möglichkeiten anzubieten? Doch, auf jeden Fall.

Denn zum einen gibt es nirgends so einfache Möglichkeiten zum Feedback wie auf einer Website, die sich offen für eben diese Rückmeldungen gibt. Die Hemmschwelle, einen Kommentar zu hinterlassen oder eine eMail zu schreiben mag immer noch einigermaßen hoch sein – im Gegensatz zu der Hemmschwelle, bei einer Firma anzurufen oder einen Brief zu schreiben ist sie lächerlich klein.

Und: Jede Form von öffentlichem Feedback gibt uns wieder die Möglichkeit, zu reagieren. Jedes Feedback gibt uns die Möglichkeit öffentlich zu kommunizieren und dabei nicht nur auf die Sache an sich einzugehen, sondern ganz nebenbei Kundennähe, Transparenz und Offenheit auszudrücken, ohne auch nur einen dieser leicht abgenutzten Begriffe in den Mund zu nehmen.

Beispiel gefällig?

In den letzten 10 Jahren habe ich zweimal erlebt, dass ein Server auf dem sich auch meine Projekte befanden gehackt wurde und Daten von mir erst einmal weg waren. Beide Male schrieb ich im Moment des Entdeckens eine eMail.

Beim ersten Mal bekam ich nach drei Tagen eine Antwort, in der ich aufgefordert wurde, mein Backup einzuspielen. Und erst auf hohen öffentlichen Druck besann sich das Unternehmen, die vertraglich zugesicherten eigenen Backups zu benutzen. Eine Erklärung darüber was passiert war habe ich in der Fachpresse suchen müssen.

Beim zweiten Mal hatte ich nach einer Stunde eine Antwort, die an alle Kunden gegangen war, zehn Minuten später noch eine persönliche eMail, dann waren zwei Stunden später alle Daten wieder da und ich fand noch eine Erklärung über die Geschehnisse und die getroffenen Maßnahmen in meiner Inbox.

Beide Male war etwas geschehen, was gelegentlich passiert. Aber einmal habe ich darüber komplett das Vertrauen in den damaligen Dienstleister verloren und einmal ein gutes Gefühl der Sicherheit zurückbehalten.

Alles eine Frage der Kommunikation. Und das sollte man sich doch nicht entgehen lassen.

(Foto von cesarastudillo unter CC-Lizenz. Merci!)

« neuere Artikel |Artikelübersicht | ältere Artikel »

Das Blog ist geschlossen; eventuell ist dieser Artikel und/oder die enthaltene Informationen veraltet.