Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Eine Art Nachruf

Als ich begann, das Internet nicht nur zu konsumieren sondern auch zu gestalten stiess ich recht schnell auf eine Mailingliste, in der sich eine große Anzahl der deutschen Web-Worker zusammengefunden hatten: die [i-worker]

Über die Mailingliste lernte ich nicht nur viel fachliches, sondern noch viel mehr über die von mir so geschätzte Kultur der gegenseitigen Hilfe und des gegenseitigen Respektes, die man im guten Fall in Mailinglisten erleben kann.
Jahre bevor der Begriff des “Web 2.0″ und der damit verbundenen Schlagwörter von Kommunikation, Vernetzung und User generated Content aufkamen wurde das alles in der Liste schon gelebt.

Gestern habe ich erfahren, dass der Gründer der Liste, Erwin Forner, vielen auch bekannt als der “böse alte Mann des Internet” im Februar bei einem Verkehsrunfall ums Leben gekommen ist. Ich kannte Erwin, der mit seinem Stil das Klima der Liste deutlich bestimmte, fast nur über die Liste, habe nur zweimal mit ihm persönlichen Kontakt gehabt - und trotzdem zeigt mir die Fassungslosigkeit, die ich jetzt spüre, wie nah das Internet einander bringen kann. Nah im positivsten Sinn.

Danke Erwin für die Liste, danke für Mühe und Zeit.

Timing-Probleme

Schön ist es natürlich, wenn eine Plattform von der Größe sevenloads seinen Relaunch quasi live im Blog und via Twitter überträgt. Der Werbeblogger jubelt zum Beispiel …

So entstehen echte Communities BEVOR eine Plattform überhaupt richtig online geht. Durch Aufrichtigkeit. Durch Menschlichkeit. Durch Kommunikation auf Augenhöhe.
Ibo, ich gratuliere euch (auch wenn ich die Plattform selbst noch gar nicht testen konnte).

(Werbeblogger: Sevenloads heutige Corporate Communication)
… und auch ich habe natürlich gelegentlich rübergeklickt und warte gespannt auf die neue Version.

Dumm ist nur, wenn es Kooperationspartner gibt, die das alles mit dem Web 2.0 noch nicht so verstanden haben - und wenn die dann auch noch Besucher mitbringen, die das alles vermutlich noch weniger verstehen.
Aber vielleicht denken die Besucher, die Big Brother - Moderatorin Miriam Pielhau gestern Abend mit großen Worten auf die “völlig neue Big Brother - Website” schickte ja einfach an einen Aprilscherz, wenn sie vor der sevenload-Fehlermeldung stehen:

 

Sevenload-Fehlermeldung auf bigbrother.de

 

Ich persönlich kann mir nur in Ansätzen vorstellen, wie man sich nach 84 Stunden Launch-Stress fühlt (und das reicht mir völlig) und wünsche alles gute!

So wahr, so wahr…

Jeder Kreative, Grafik-Designer und Werber hat sich sicherlich schon einmal gefragt, warum Kunden hin und wieder mal scheinbar die Ambition haben, uns in den Wahnsinn treiben zu wollen.
Nun ja, ich glaube ich habe die Antwort gefunden. Sie müssen »8 ways to drive a graphic designer mad« gelesen haben.

Hier gibt es eine deutsche Übersetzung: 8 Wege, einen Grafik-Designer in den Wahnsinn zu treiben.

Twitter

Was ist Twitter?

Zuerst die Fakten: Twitter ist ein Web-Dienst, bei dem man - einmal angemeldet - kurze Nachrichten (bis zu 140 Zeichen um genau zu sein) veröffentlichen kann.
Die Nachrichten werden auf der Website twitter.com veröffentlicht und lassen sich in andere Websites einbinden.
Weiterhin kann man - wenn man angemeldet ist - die Nachrichten anderer User verfolgen - man kann sie entweder auf der eigenen Twitter-Seite lesen, sie via Messenger oder Browser-PlugIn lesen oder auch per SMS empfangen. Auch schreiben ist via SMS möglich.

Klingt einfach - und unglaublich sinnfrei. Schon Bloggern wird ja ein gewisser Exhibitionismus - bzw. der Voyeurismus, anderer Leute Tagebücher zu lesen unterstellt. Aber wie viel Selbstdarstellungsdrang muss man habn um der Frage “What are you doing?”, die hinter Twitter steht dauernd in aller Öffentlichkeit zu beantworten? Das kann es also nicht sein.

Was ist also Twitter?
Twitter ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht erlebt hat. Denn wenn man erst einmal eine kurze Zeit den Updates anderer User folgt merkt man, dass es eine gemeinsame Grundstimmung gibt: Twitter ist vergleichbar mit einem gut geölten Großraumbüro.
Alle Menschen, die ich dort auf meinem Schirm habe arbeiten tagsüber und twittern nebenher.
Und wie in einem Büro lernt man den Rhythmus der anderen kennen, wie in einem Büro kümmert sich mal einer darum, mit einem kleinen Spruch die gemeinsame Stimmung zu heben, mal entdeckt wer etwas und zeigt es den anderen und gelegentlich muss man auch mal Dampf ablassen.
Das alles kurz und knapp - weil man sich kennt und mag und gar nicht viele Worte nötig sind.

Obwohl man mit den Menschen am anderen Ende des Raumes wenig zu tun hat, sieht man sie jeden Tag und sie gehören dazu. Und mit denen, die die Schreibtischinsel mit einem teilen gerät man auch kurz mal ins Gespräch. Dafür haben sich auch innerhalb des arg beschränkten Platzes Formen entwickelt.

Und das alles, obwohl wir alle alleine in unseren Büros sitzen oder sogar gerade unterwegs sind - in unserer hochindividualisierten Gellschaft, die wir uns für unsere Arbeit und unser Leben ausgesucht haben.
Ein perfektes Werkzeug für meine Form der Arbeit also. Und für die die ca. 70 Menschen, die ich im Moment dort um mich habe und nicht mehr missen möchte.

Von Trollen und Anarchie

Viele Menschen, die mit dem Internet nicht so viel zu tun haben wie ich bekommen durch die klassischen Medien ein verzerrtes Bild vermittelt: Das Internet ist ein rechts- und regelfreier Raum, in dem sich Kinderschänder und Terroristen treffen und ihre Taten vorbereiten. Der Rest ist angefüllt mit Firmenpräsentationen und lustigen Mohrhuhn und Yeti-Spielchen.

Das Internet, mit dem ich tagtäglich zu tun habe ist quasi das Gegenteil: Da treffen Menschen aufeinander und kommunizieren. Oft auf einem unglaublich professionellen Niveau - dabei gleichzeitig menschlich und hilfsbereit.

Ein Kunde brachte das letztens schön auf den Punkt: “Christian, manchmal habe ich das Gefühl, da gibt es ein Parallel-Universum, in dem das Internet was Du kennst statt findet.”

So regellos, wie diese Parallelwelt der Blogs, Mailinglisten und Foren auf den ersten Blick scheint, ist sie bei genauerem Hinsehen dann gar nicht. Die Regeln stehen nur nicht in großen Buchstaben beim Eintritt in die Welt über der Tür, stattdessen muss man ein bisschen aufmerksam sein, muss zusehen wie es die anderen machen und sich dann einfach anpassen.
Aber noch einmal: Auf keinen Fall sollte man denken, es gäbe keine Regeln, nur weil man sie nicht sofort sieht.

In einer der Mailinglisten, in der ich täglich lese, schreibe, helfe und geholfen bekomme erlebt das gerade jemand.
Er hat - aus welchem Grund auch immer - die gesamte Liste seit Wochen und Monaten genervt. Meist einfach dadurch, dass seine eMails nicht einfach einmal ankamen, sondern gerne drei- oder viermal und an extremen Tagen auch noch öfter. Das klingt zuerst harmlos - strengt aber bei einem eMailaufkommen von über hundert eMails am Tag an, weil jede ankommende Mail ja ein wenig Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Da die Gründe eben nicht klar waren und der gemeine Mailinglisten-Teilnehmer auch meist ein hilfreicher Charakter ist wurde er oft und viel auf seine Fehler hingewiesen. Mal mit Hilfsangebot, mal ohne.
Ohne auf Einzelheiten einzugehen hat der Gute sich gestern Abend aber endgültig alle Sympathien verspielt. Er hat noch einmal kurz nicht nur mit der Geduld und der Zeit der Listen-Teilnehmer gespielt, sondern kurz auch noch mit ihrem Mitleid.

Die Reaktionen, die schon heute an einem Sonntag eintrudeln machen alle eins klar: Da hat sich jemand die Möglichkeit genommen, auf einen Pool von ca 500 Fachleuten zuzugreifen. Und zwar endgültig.
Denn es gibt nicht nur Regeln, es gibt auch Konsequenzen.
Eine davon heisst im Jargon gerne *Plonk* und soll lautmalerisch das Geräusch eines auf dem Boden eines Mülleimers auftreffenden Gegenstandes nachahmen. So als ob man jede Nachricht des anderen sofort entsorgt.
Das hat er heute öfter gehört.

Wem gehört eine Website?

Bei einer normalen Firmen-Website ist die Frage klar: Sie gehört der Firma oder einem ihrer Bevollmächtigten.

Aber was ist bei einer Community-Site, was ist mit einer Website die nichts anderes tut, als einen Service für ihre Mitglieder anzubieten? Auf den ersten Blick kann man das natürlich auch im Impressum nachschauen.

Andererseits funktioniert eine Community nur, wenn die Mitglieder sich ihr verbunden fühlen, wenn sie sich auf der Website in einem gewissen Sinn “zu Hause” fühlen. Und so müssten die Besucher eigentlich mindestens ein Mitspracherecht haben, wenn es zum Beispiel um Funktionen, oder um das “Look & Feel” der Website geht.
Ein gutes Beispiel liefert da im Moment einer der ältesten Communities in Deutschland - die Experten-Community wer-weiss-was.
Die haben nämlich vor kurzer Zeit einen optisch radikalen Relaunch hingelegt und diskutieren jetzt im Unterforum mit dem hoffnungsvollen Namen “Anregungen, Lob und Kritik” die Austrittsdrohungen aus.

12345678910111213141516171819202122232425262728293031323334353637