Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Ein Student

»Webdsigner« ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Und so findet man leicht im Bekanntenkreis jemanden, der »nebenbei« eine Website programmieren kann. Auch die Vielzahl an kostenloser Software und schnell verständlichen Anleitungen macht es einfach, eine Website zu veröffentlichen.

Dass es nicht immer klug ist, keinen Fachmann zu beauftragen, zeigt sich oft erst später. Neben den von Alp Uckan angesprochenen Qualitätsstandards, die die Arbeit eines Profis eben nicht nur unterscheiden, sondern vielleicht auch teurer machen passieren manchmal auch noch andere Dinge - wie mir kürzlich ein Telefonat zeigte:

Mich rief eine Agentur an, deren Kunde keinen Zugriff mehr auf seine Website hatte. Die Site war vor einigen Jahren »von einem Studenten« preisgünstig erstellt und immer weiter ausgebaut worden. Sie lief zwar nicht in allen Browsern aber im Großen und Ganzen war man zufrieden mit der Arbeit.

Dieser Webdesigner, der die Domain auf seinen Namen angemeldet hatte und auf dessen Server sie lag war aber jetzt nicht mehr erreichbar. Ebenso unerreichbar war die Website, denn dieser Server war nie gepflegt worden und war inzwischen – für Fachleute nicht überraschend – so virenverseucht, so dass ihn der Hosting-Anbieter abgeschaltet hatte. Zugangsdaten waren nicht mehr aufzutreiben, denn der Webdesigner hatte sie dem Kunden nie zukommen lassen.

Zusammengefasst war also die komplette Website inklusive aller Daten verloren - für eine Website mit Shop zwei Monate vor Weihnachten mehr als eine mittlere Katastrophe.

Lesetipp: Warum kostet professionelle Frontend-Entwicklung so viel?

Alp Uckan hat eine sehr präzise Zusammenfassung über den Aufgabenbereich und die notwendigen Qualfikationen eines Webdesigners geschrieben - und warum dabei Stundensätze um die 60,- völlig angemessen sind:

Frontend-Entwickler entwickeln nicht, wie Anwendungsprogrammierer oder Backend-Entwickler in einer bestimmten Programmier-Umgebung oder einem Compiler/Interpreter. Die Beherrschung der Code-Sprachen HTML, CSS oder JavaScript, macht Frontend-Entwickler nicht automatisch praxistauglich. Sie entwickeln für unterschiedliche Interpretationsumgebungen, von denen halbjährlich eine neue hinzukommt, die beachtet werden müssen. [...]

Und jetzt kommt das, was private Endkunden meist nicht wissen: standardisiertes HTML, CSS, JavaScript wird nicht von allen Browsern gleich interpretiert. 

alps hypertexte: Warum kostet professionelle Frontend-Entwicklung so viel?

Sichere Passwörter

Der geschätzte Kollege Ben hat in seinem Blog 5 Maßnahmen für mehr Sicherheit veröffentlicht. Abgesehen davon, dass er natürlich vollkommen Recht hat, wollte ich gerne – wie von Ben gewünscht – in den Kommentaren zwei kleine Ergänzungen anfügen. Leider mag mich sein WordPress nicht mehr, lässt mich nicht kommentieren und so mache ich schnell einen eigenen Artikel draus. Also: Bitte erst drüben bei Ben die Grundlagen lesen und dann gedanklich folgendes ergänzen:

Ein beherzter Druck zur rechten Zeit auf die Shift-Taste macht aus dem Hasenohr sogar noch ein »ha%§n=hr«. Man muss sich nicht mehr merken als vorher und hat noch Sonderzeichen im Passwort. Wenn das entsprechende Programm/CMS/... diese Sonderzeichen auch beherrscht, das ist leider nicht immer möglich.

Wer mehrere Passwörter braucht (das soll ja vorkommen), der kann sich auf dem beschriebenen Weg ein gutes »Masterpasswort« festlegen und zB um die ersten drei (oder vier oder …) Stellen des benutzten Dienstes erweitern. Twitter bekommt das »ha%§n=hrtw!« (das »i« aus »twitter« wird wie beschrieben zu »1« und »1« wird dann zu einem »!«). facebook bekommt das »ha%§n=hrfac« usw. Das ergibt recht lange, schwere und für jeden Dienst individuelle Passwörter, die man sich ohne großen Aufwand merken kann.

Und wem kein passendes Wort einfällt, der kann auch einen Satz nehmen und die Anfangsbuchstaben zusammenfügen: »ich brauche ein originelles Passwort fürs Internet« wird »ibeopfi« oder »1b30pf1« oder eben sogar »!b§=pf!«

Lesetipp: Streichen wir das Media aus Social Media

Kürzlich nun traf sich in Köln eine Branche, die man als digitale Markschreier bezeichnen könnte. Auf der Dmexco, einer Fachmesse für Online-Werbung. Zugegeben: Stimmlich wurde in den hohen Messehallen wenig geschrien. Optisch aber war es trotzdem laut: Messehostessen, deren enge Hotpants das Fleisch schnürten staksten durch die Gänge, viele, viele bunte Farben schrillten die Stände auf. Und dann die Texte. Ausrufezeichen über Ausrufezeichen, und was einst mysteriös klingende Medizinal-Produktnamen waren, das sind heute jene anglizistischen Schwirrworte.

Thomas Knüwer mit seinem Rückblick auf die dmexco: Streichen wir das Media aus Social Media

Ein kleiner, vielleicht unbequemer Artikel über Suchmschinenoptimierung

Ich bin kein ausgewiesener Fachmann für SEO.

Ich habe in meinem Angebot auch etwas von Suchmaschinenoptimierung stehen, aber ich sage meinen Kunden auch ehrlich, wenn ihre Vorstellungen von »ich will auf Platz eins!« unrealistisch sind. Und was vielleicht realistisch ist.

Schaut man sich in der SEO-Szene um, dann bekommt man schnell den Eindruck, dass es sich um eine Geheimwissenschaft handelt; eine Geheimwissenschaft um die richtige Anzahl Backlinks auf sorgfältig ausgewählten Domains in verschiedenen IP-Bereichen. Es geht um qualitative Links im sorgsam ausgewählten Artikeln im gut sortierten Medienmix. Und im Nebensatz liest man manchmal auch etwas von einer gut vorbereiteten Website und ganz gelegentlich auch von Inhalten.

Seit April betreue ich das Mendener Magazin. Das Magazin basiert auf einer normalen WordPress-Installation und einem gekauften Theme, das ich an der ein oder anderen Stelle an unsere Bedürfnisse angepasst habe. Ich habe keine speziellen SEO-PlugIns installiert. Nach ein paar Wochen hatte Google unser kleines Magazin entdeckt und nicht lange danach waren wir für die Themen über die im Magazin berichtet wurde unter den ersten Treffern eingeordnet. Ob für die Leitmecke Menden, das geschlossene Parkhaus Nordwall oder auch den bald beginnenden Autorenherbst - das Magazin befindet sich auf Platz eins oder kurz dahinter.

Unser Geheimnis? Die drei oder vier Backlinks dürften zu vernachlässigen sein - unsere Zielgruppe hat keine Blogs oder Websites, auf denen sie uns verlinken könnten.
Aber wir haben etwas zu bieten: Eine semantisch gut aufgebaute Seite und nicht zu vergessen: Seit April knappe 700 Artikel.

Eigentlich ist es also irgendwie ganz einfach. Und natürlich irgendwie auch gar nicht, ich weiß.

Blogparade: Wann ist man jemand im Web?

Anlässlich des Kick-Offs der Eventreihe TwentyTwenty - explo­ring the future rufen die Organisatoren zu einer Blogparade auf: Die Beiträge sol­len Geert Lovinks Vortrag und die nach­fol­gende Diskussion im Radiokulturhaus ergän­zen.

»» Blogparade: Wann ist man jemand im Web?

Das ist doch genau mein Thema – deswegen hier mein Beitrag. Vorwegnehmen möchte ich: Ich habe bewusst die anderen Beiträge (noch) nicht gelesen, um erst einmal unbeeinflusst an das Thema heranzugehen. Also:

Wann ist man jemand im Web?

Um mich der Antwort zu nähern erweitere ich die Frage erst einmal zu: »Wann ist man wer?«

Auf dem Schulhof war das damals recht einfach: Die, die »wer waren«, die standen in einer größeren Gruppe in der Mitte, da gingen die anderen hin, auf deren Meinung hörte man. Wie man zu so einem Meinungsführer wurde, das war ein schwer durchschaubarer Prozess, zu dem sicherlich Faktoren wie die richtige Kleidung, der richtige Musikgeschmack, die richtige Frisur und das richtige Wort zur rechten Zeit gehörten. Oder allgemeiner: Wer perfekt eine Mischung der damals herrschenden Werte repäsentierte, der war jemand.
Trotzdem: Steuern ließ sich das – und alle, die damals nicht »in« waren werden mir zustimmen – nicht. Vor allem die Frage, was denn »richtig« war, entbehrte oft jeder Logik und damit auch jeder Nachvollziehbarkeit.

Wer aber dann einmal erlebt hat, wie der gefeierte Schulhof-Held im Fußballverein von allen zur Sau gemacht wurde oder aber wie das Klassen-Aschenputtel in der Tanzschule zur Königin avancierte, der hat vielleicht schon damals eines begriffen: »Jemand sein« ist immer vom Umfeld abhängig. Ein »Jemand« braucht immer genug Anhänger um sich herum, die ihn zu jemand machen.
Und wer in dem einen Umfeld der König ist, der kann in einem anderen Umfeld ebenso gut ein Niemand sein.

Kommen wir mit diesen Erinnerungen im Gepäck zurück und fragen uns, wann man denn nun im Web jemand ist.

Da – von wenigen Ausnahmefällen abgesehen – Faktoren wie Frisur und Kleidung eine stark untergeordnete Rolle spielen bleibt noch das richtige Wort zur rechten Zeit. Die Frage, was »richtig« ist und was nicht bleibt aber.

Ebenso bleibt, dass wir alle – und das ist nur menschlich – immer nur unseren eigenen Horizont, unser eigenes Umfeld sehen können. Und auch wenn ich vor drei Jahren einmal behauptet habe, dass es drei Internet gibt, gibt es da wohl noch einige mehr. Um ganz praktische Beispiele zu nennen:

  • Für den einen ist facebook ein Ort, den er am liebsten täglich aufsucht, wo er sich mit Menschen austauscht, wo er also sein online-Leben verbringt. Und auch wenn Links an Pinnwänden aus facebook herausführen, so ist facebook doch sein Ausgangspunkt, seine Homebase, sein emotionales Zuhause.
  • Ein anderer ist vielleicht schon länger im Web unterwegs, er hat einige Mailinglisten abonniert und verbringt den sozialen Teil seines online-Lebens hauptsächlich vor dem Mailprogramm.
  • Der nächste pflegt vielleicht mit Hingabe sein eigenes Forum oder verbringt seine Zeit in der anachronistisch wirkenden Welt des IRC.

Allen ist aber eines gemeinsam: Sie sind »im Web«. Und sie nehmen den Teil, der ihr online-Leben bestimmt leicht für das Ganze. Wie gesagt: Nur menschlich.

Es bleibt also, dass sich die Frage nicht wirklich beantworten lässt.
Um noch einmal praktische Beispiele zu bemühen: Als ich vor zwei Jahren einen Nachruf auf Erwin Forner, der eine von mir gelesene Mailingliste ins Leben gerufen hatte veröffentlichte, da fragten mich schon viele meiner »social Web«-Bekannten, wer das denn sei.
Wenn ich innerhalb dieser Mailingliste wiederum den Namen »Sascha Lobo« fallen lasse reagieren dort die meisten mit Unwissen.

Trotzdem sind beide »jemand«. Aber eben nur in einem kleinen Bezugsrahmen, beide sind hier wichtig und dort nicht mehr.

Wenn wir also wissen wollen, wie man im Web jemand wird, dann sollten wir zuerst wissen, dass es »im Web« nicht gibt. Dort aber jemand zu werden ist vermutlich genauso wie auf dem Schulhof: Von innen aus gesehen undurchschaubar aber von außen betrachtet gruppendynamisch völlig klar zu beobachten.
Nur, dass die Fans sich nicht mehr dazustellen, sondern Links setzen, Pinnwand-Einträge teilen und Tweets retweeten, wenn jemand ihre Werte perfekt auf den Punkt bringt.

Weitere Beiträge zur Blogparade

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