Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich hier ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
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Benimm Dich wie ein Blogger.

22.12.2008

Oft komme ich mit Menschen ins Gespräch, die von den "neuen Möglichkeiten" im Internet gehört haben. Menschen die irgendwo gelesen haben, dass all die Phänomene, die ich jetzt einmal bequemerweise unter dem Begriff "Web 2.0" zusammenfasse eine idelae Möglichkeit sind, um Unternehmensnews und Pressemitteilungen zu platzieren und um dazu noch quasi wie von selbst Erfolg in den Suchmaschinen zu haben. Sie sind interessiert an Weblogs und am Microblogging und beobachten staunend, wie sich Menschen in social Networks einfinden.

Im weiteren Verlauf solcher Gespräche stoße ich allerdings oft auf eine tiefe Skepsis: Denn wenn man sich näher zum Beispiel mit Blogs beschäftigt, stößt man natürlich auf langweilige Tagebücher und Katzenfilmchen, auf Troll-Kommentar-Schlachten und auf technikverliebtes Metablogging.

Aus einem "klassisch professionellen Blickwinkel" heraus anscheinend kein besonders gutes Umfeld, um sich dort zu präsentieren. Also wird gerne auf die Qualität der Blogs (und das lässt sich auch auf Tweets, Qype-Beiträge, Facebook-Pinwand-Artikel und ähnliches übertragen) geschimpft. Schnell werden die Menschen, die dort schreiben herabgesetzt - und noch mehr die Dinge mit denen sie sich beschäftigen.
Und der eigene Blog-Auftritt soll natürlich ganz anderes sein.

So entsteht dann ein seltsames Spannungsfeld, weil einerseits "die Blogs" benutzt werden wollen und andererseits die gleichen Blogs herabgesetzt und beschimpft werden. Weblogs, die - wenn überhaupt - aus so einer Voraussetzung entstehen sind dann meist uninspiriert und leer und werden schnell wieder eingestellt.

Was passiert hier? Meines Erachtens wird etwas wichtiges übersehen.

Fangen wir doch einmal vorne an: Es gibt seit ein paar Jahren - möglich gemacht durch einfache Software und schnelle Internetzugänge - einen Trend, dass User eigene Inhalte ins Internet beisteuern. Die Menschen schreiben dort über das, was sie bewegt und sie unterhalten sich dort über das was sie bewegt. Egal, ob man das jetzt mag oder nicht, egal, ob dort qualitativ hochwertiger "User-generated Content" entsteht oder nicht - so ist es einfach.

Natürlich ist das ein ganz anderes Umfeld als das vom Werber gesteuerte oder am besten sogar geschaffene Umfeld einer sorgfältig geplanten Kommunikations- und Marken-Kampagne. Aber - rufen wir es uns noch einmal in Erinnerung: Es ist das, was da ist.
Es ist da, es hat seine eigene Sprache und seine eigenen Rituale entwickelt - und es funktioniert in weiten Teilen prächtig.

Und so ist - auch wenn es vielen schwerfällt - die einzige Chance, wenn man an diesen Bogs, an dieser pulsierenden Szene teilhaben möchte: Akzeptieren, dass es so ist.

Es hilft nun einmal nichts, gleichzeitig die vermeintlichen Vorteile nutzen zu wollen aber dabei die eigentliche Substanz abzulehnen.

Oder anders gesagt: Wenn Du ein Blog haben willst, benimm Dich wie ein Blogger.

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