Ein erklärungsbedürftiger Beruf?

09/2025:

Internes // Konzeption // CMS-Programmierung // Gestaltung

Vorschaubild mit Ansicht der Website

Neulich saß ich bei einer Kundin und sie stellte mich einem Dritten gegenüber vor und ich merkte, sie wusste nicht exakt, wie sie meinen Beruf denn jetzt gerade erklären sollte. Das deckt sich mit meiner Wahrnehmung darüber, was die meisten Menschen denken, was ich tagsüber an meinem Schreibtisch so tue.

Viele Menschen stecken mich in die Schublade „IT“, was ja hin und wieder nicht vollkommen verkehrt ist, aber doch eher an den System-Administrator in der Firma denken lässt. Auch „Programmierer“ ist ein oft gehörter Begriff, der auch stimmt – aber nur einen Teil der täglichen Tätigkeit ausmacht. Grafiker? Klingt nach Briefpapier und Firmenbroschüre. Und spätestens, wenn ich bei der gemeinsamen Arbeit zur Formulierung von Texten oder der Bildauswahl berate, sehe ich schon einmal das ein oder andere Fragezeichen über den Köpfen.

Die einfache Antwort ist: All das. Und vor allem, am allerwichtigsten: alles im Zusammenhang.

Oft beginnt meine Arbeit sogar in der Nische Unternehmensberatung, wenn ich Menschen in der Gründungsphase ihrer Unternehmungen begegne. Denn wenn ich wissen soll, wie die Message der Website später sein soll, dann muss ich es zu Beginn wissen. Und viele Gründer:innen merken an meinen Fragen, wie viele Gedanken zu Details sie sich noch nicht gemacht haben. Vollkommen menschlich, übrigens.

Dann folgt eine konzeptionelle Phase: ich sortiere, was es an Informationen gibt, vergleiche, wie Marktbegleiter kommunizieren, schaue nach gängigen Suchanfragen zu Thema und mache den Perspektivwechsel vom Betreiber der Website weg zur Besucherin, die im besten Fall ja zur Kundin der Betreiber werden soll.
Um eine uralte Binsenweisheit zu bemühen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.
So entstehen Seitenstrukturen und grobe Layout-Entwürfe.

Genauso verhält es sich mit der Grafik, die im nächsten Schritt kommt: Auch sie muss den Besucher:innen der Seiten gefallen, sie muss sie im besten Fall emotional erreichen und unterschwellig das Gefühl vermitteln: „Hier bin ich richtig“
Gleichzeitig habe ich, wenn ich am Grafikprogramm sitze, immer im Kopf, dass das was ich gerade gestalte, nur eine von tausenden von Möglichkeiten ist, wie die Website aussehen kann. Ein Handy statt des Laptops, der Browser Chrome statt des vorinstallierten Microsoft Edge, eine Browser-Erweiterung oder auch eine Sicherheits-Regel der IT-Abteilung – und schon sieht alles anders aus.
Auch können User ihre Software auf die vielfältigste Art konfigurieren und deswegen lege ich statt einer fixen Gestaltung immer nur fest, was für Gestaltungselemente auf den Websites benutzt werden. Wie die dann bei den Usern aussehen – ich weiß es nicht.

Außerdem haben Suchmaschinen und Ihre künstlich „intelligenten“ Helferlein auch noch Ansprüche und auch die können Auswirkungen auf die Gestaltung haben.

Ein großer Vorteil unseres kleinen Teams ist, das ich Alleskönner sein muss: Wenn ich ein Logo im Grafikprogramm an eine andere Stelle schiebe, weiß ich, wie ich es programmieren werde, wenn ich verhalten auf eine Anfrage nach einer bestimmten Funktion reagiere, dann habe ich im Kopf, wie schwer sie auf Smartphones zu bedienen ist oder wie sehr Google sie nicht mag.

Dann kommt der Teil mit der Wahrnehmungspsychologie. Wenn man weiß, wie Menschen zB auf Farben oder auf die Anordnung von Dingen reagieren, dann kann man sie auch ganz gut lenken. Ja, auch Sie, es tut mir leid.
Was soll dringend gesehen werden, was ist vielleicht nötig, soll aber nicht im Vordergrund stehen? Gibt es Text, der für Suchmaschinen wichtig ist, aber im besten Falle den Besuchenden nie in die Augen springt? Haben Sie hier auf unseren Seiten die Unterseite mit ca 10 Din A4-Seiten Text für die Suchmaschinen jemals gesehen? Vermutlich nicht. 

Und dann beginnt erst die Programmierung. Und deswegen zucke ich immer zusammen, wenn mich jemand Programmierer nennt. Aber auch deswegen weiß ich, dass es wirklich ein erklärungsbedürftiger Beruf ist.

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