Blog-Archiv

Von 2006 - 2011 habe ich ein Blog über meine tägliche Arbeit geschrieben.
Das hier ist das Archiv.

Millionengewinne trotz Gratis-Downloads

Trotzdem die Musikindustrie verzweifelt an ihren alten Modellen festhält und ihre eigenen Käufer immer weiter kriminalisiert gibt es Ausnahmen - die müssen aber wohl im Moment von den Bands ausgehen. Die Band Nine Inch Nails verschenkte Ihr Album kostenlos zum Download. Sie nahmen trotzdem Millionen ein. Ein nachahmenswertes Modell, das beweist, dass Fans gute Musik bezahlen, auch wenn es Gratis-Alternativen gibt.

Das Reizwort "kostenlos" war nur der Einstieg in eine recht differenzierte Preis- und Angebotsstrategie. Denn kostenlos ist nicht das komplette Album, sondern nur eine "schmale" Version von nur 9 Titeln. Es gibt es eine Vielzahl von Kaufoptionen, die geschickt zwischen Fans und "normalen" Kunden unterscheiden und jedem das Produkt in diversen Editionen anbieten. 

Bernd Röthlingshöfer: Wie Nine Inch Nails ihr neues Album verschenkten und trotzdem 1,6 Millionen US Dollar einnahmen 

Internetsperre gegen Kinderpornographie?

Unter der Federführung von Familienministerin von der Leyen ist beschlossen worden, dass demnächst das deutsche Internet gefiltert wird. Und zwar im Kampf gegen Kinderpornographie (siehe z.B. Spiegel online, 15.1.09: Von der Leyen lässt Kinderpornografie aus dem Netz filtern).

Kinderpornographie ist natürlich ein schwieriges Thema. Nicht, weil es irgendjemanden gäbe, der darüber diskutieren würde, ob Kinderpornos in irgendeiner Art und Weise akzeptabel wären. Das sind sie natürlich nicht und darüber besteht auch absoluter Konsens.

Schwierig wird es erst, wenn man den Kampf gegen Kinderpornographie mit einem anderen Thema verknüpft. Zu schnell entsteht dann durch diese Verknüpfung der Eindruck, dass man nicht mehr gegen das andere Thema, sondern gegen den gesamten Kampf argumentiert.

Es ist also nicht ganz einfach und um das Gesamtbild erfassen zu können muß ich jetzt ein wenig ausholen:

Zum einen – ich werde nicht müde, es immer wieder zu betonen – ist alles, was im Internet passiert für einen Großteil der Bevölkerung immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung inzwischen mit Breitbandanschlüsssen ausgestattet ist und  regelmäßig »ins Internet geht« heißt das noch nicht, dass sie sich dort wirklich auskennen. »Das Internet« ist immer noch sehr neu, die Entwicklungen dort zu schnell und die technischen Hintergründe schwer zu verstehen.

Zweitens – auch das habe ich gelegentlich erwähnt – ist das Bild »des Internets« in der Öffentlichkeit nicht immer das beste. Die klassischen Medien haben Angst, dass Ihnen das Web den Rang abläuft und berichten im allgemeinen eher zurückhaltend bis kritisch, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Und die Leser oder Zuschauer, die das Web eh eher nicht verstehen (s.o.) nehmen natürlich die Meinung klassischer Qualitätsmedien gerne auf. Warum auch nicht?
Und gerade Kinderpornographie ist – neben Terrorismus – eines der Schlagworte, die immer wieder mit dem Web in direkte Verbindung gebracht werden. Oder, um es kürzer zu sagen: Im Web verabreden sich Terroristen und Pädophile und tauschen sich dort aus. Mit diesem erschreckenden und erschreckend falschem Bild werde ich auch heute noch immer wieder konfrontiert.

Wenn dann jemand – wie jetzt Frau von der Leyen in Zusammanarbeit mit Wolfgang Schäuble und Michael Glos – kommt und eine Regelung fordert, dann klingt das natürlich löblich.

Dass das Mittel – eine Filterung der Inhalte – vollkommen sinnlos und auch gefährlich ist, spielt keine Rolle. Kann für den Normalbürger auch gar keine Rolle spielen, denn wie oben erwähnt, weiß ja eh keiner genau, wie das technisch alles geht.

Und ab jetzt wird es ganz schwierig: Denn wenn nun jemand beginnt, gegen die Methode, also gegen die Filterung zu argumentieren greift genau jener verhängnisvolle Zusamenhang, über den ich eingangs sprach: Wer gegen den Kontext argumentiert, dem wird vorgeworfen, gegen den Kampf gegen Kinderpornos zu argumentieren.

Weil das aber nicht so ist auch hier noch einmal ein paar wichtige Punkte:

  • Eine Filterung im Internet ist prinzipiell technisch entweder auf Basis von  Adressen verdächtiger Seiten oder auf Basis der Filterung von Schlagworten möglich.
    Also entweder »zeige die Seite www.irgendeine-adresse.de nicht an« oder »zeige alle Seiten mit dem Wort XY nicht an«
  • Adressen im Web lassen sich innerhalb von Stunden ändern - eine Filterung nach Adressen ist also nicht wirksam umzusetzen.
  • Eine Filterung z.B. nach dem Wort »Kinderporno« würde auch diesen Artikel hier sperren. Und vermutlich auch die Veröffentlichung von Frau von der Leyens Gesetzestext – so eine Filterung ist also auch nicht umsetzbar.
  • Durch die Netzstruktur des Internets und durch Firmen, die in unser aller Interesse das Web indizieren und archivieren (nämlich die Suchmaschinen, die das Web für uns alle erst benutzbar machen) finden sich Inhalte nicht nur unter einer einzigen Adresse.
    Im Gegenteil: Wir alle wollen ja sogar, dass z.B. Google einen Teil unserer eigenen Website speichert und anderen zeigt wenn sie nach etwa suchen.
    Wenn aber die Ursprungsadresse wechseln, bleiben aber nur die Kopien bei den Suchmaschinen dauerhaft gespeichert und schon trifft ein Filter nicht mehr den Urheber, sondern den Suchmaschinenanbieter.
    Das ist auch schon passiert: In England wurde so die Wayback Machine gesperrt, die Schnappschüsse des Internets aufnimmt und speichert.

Oder in Kurzform:

  • Es geht nicht.
  • Es trifft die falschen.

Was bleibt ist der Eindruck eines blinden Aktionismus. Im besten Falle. Im schlimmsten Falle führen wir gerade die Zensur in Deutschland ein, weil jemand das Medium nicht verstanden hat.

Zum Weiterlesen ein Tipp: Thomas Knüwer vom Handlesblatt hat noch andere Seiten dieses schwierigen Themas beleuchtet.

Erst üben, dann benutzen

Disclaimer: Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag schreibe. Zu selbstverständlich scheint seine Aussage. Aber: Die Wirklichkeit belehrt mich eines besseren.

 

Seit das Superwahljahr 2009 angebrochen ist fragen mich vermehrt wieder Menschen danach, was denn Twitter, facebook, myspace und diese Blogs so sind – ich müsse mich da doch auskennen. (Und ich denke, das ist richtig)

Dabei machen aber viele den Fehler, diese Dienste vom ersten Moment an »benutzen« zu wollen. »Benutzen« im Sinne von: Nutzen herausziehen. Am besten Geldwerten Nutzen und das auch am besten sofort.
Dabei sollte man nicht aus den Augen verlieren: Es handelt sich bei allen diesen Diensten um Plattformen, auf denen sich Menschen treffen. Oder besser: Miteinander kommunizieren.

Und so etwas lässt sich genau so wenig benutzen wie eine volle Kneipe sich benutzen lässt. Aber so etwas ist wahrscheinlich genau so nützlich wie eine volle Kneipe, wenn man offen auf die Menschen zu geht und offen kommuniziert.

Es ist nichts daran falsch, auch Dienste wie Twitter oder facebook im Sinne einer Marken- oder Unternehmenskommunikation gebrauchen zu wollen – ganz im Gegenteil.
Aber um auf den Vergleich mit der Kneipe zurück zu kommen: Auch dort bringt es wenig Freude – und noch weniger Freunde – wenn man sich hineinstellt und einfach nur laut ruft, wie toll man ist. Auch dort kommt es darauf an, zuzuhören und zu kommunizieren. Und das sollte man dann vielleicht etwas langsamer angehen.

Da das Internet ja aber nun einmal alles speichert, was wir dort tun wäre die beste Möglichkeit, erst einmal zu üben. Geht das?

Ja, das geht: Ich kenne im Moment zwei Menschen, die unter einem Pseudonym bei facebook angemeldet sind und dort alles ausprobieren, was geht. Beide werden vermutlich facebook schon in kurzer Zeit in einem höchst professionellen Umfeld nutzen – und ich finde es sehr beeindruckend und äußerst klug, dass die beiden sich dann schon richtig auskennen.

Ich empfehle gerne, sich das zum Vorbild zu nehmen.

 

Aufgeräumt

Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vor knapp 4 Monaten habe ich diese Website komplett relaunched. Und manchmal passiert es dabei, dass man trotz den besten Vorsätze den Überblick verliert. Dass man zuviel will und auf einmal alles unnötig kompliziert.

Mit etwas Abstand hatte ich das Gefühl, genau das getan zu haben und so habe ich ein wenig um- und vor allem aufgeräumt. Dabei sind ein paar Seiten verschwunden – Seiten die bei genauerer Betrachtung eigentlich doppelt und damit sehr überflüssig waren. Außerdem ist eine komplette Navigationsebene verschwunden – ich denke, das macht alles hier noch übersichtlicher.

Nebenbei: Bei der Gelegenheit habe ich mich auch wieder einmal über »mein« CMS MODx gefreut. Denn es hat sich zum Beispiel kein einziger URL geändert.Obwohl ich intern fast alles an andere Stellen geschoben habe. Aber das wie gesagt nur nebenbei – besten dank für die Aufmerksamkeit. Und zurück zum Alltag.

Politik 1.0

netzpolitik.org hat sich im Jahr eins nach Obamas Wahlkampf einmal im deutschen Web umgeschaut und die Websites der deutschen Politiker gesichtet.

Herausgekommen ist eine Würdigung der besten »Politiker-Websites von gestern«. Websites und eben auch Politiker, die sich im Web konsequent den modernen Dialog-Möglichkeiten verschließen und bei wenig-sagenden Selbstdarstellungen wie sie damals, vor der Jahrtausendwende üblich waren, stehen geblieben sind.

Dabei fanden wir Gemeinsamkeiten: Alle nominierten Kandidaten gehören der Großen Koalition an. Der Anteil an ehemaligen Ministern, die nur noch ihre Zeit bis zum Ende der Legislaturperiode absetzen, ist überraschend hoch. Und in der Regel gehören sie der SPD an (Schily, Eichel und Struck). Die konsequente Verwendung von Frames und damit eine gewisse behindertenfeindlichkeit gehört auch in der Regel dazu. Dann sind da noch die eher unregelmässigen und wenigen Aktualisierungen, die für unbedarfte Beobachter aufgrund der Webseiten darauf schließen lassen, dass die Abgeordneten nicht soviel tun. Und dann ist da noch in der Regel das Fehlen jeglicher Dialogmöglichkeiten abseits von Mailadressen. 

Dann ist es ja gar nicht so schwer, sich positiv abzuheben.

»» Die besten Politiker-Websites von gestern

Benimm Dich wie ein Twitterati.

Sehr schön zum letzten Artikel »Benimm Dich wie ein Blogger« passend macht im Moment eine Grafik ihre Runde durch die Blogs, die die 5 Stadien des Twitterns beschreibt:

5 Stages of Twitter-Acceptance

Ergänzend dazu sehe ich diejenigen, die meinen, sich aus irgendeinem Grund einen Twitter-Account zulegen zu müssen und dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Stufe 1b hängen bleiben: Anwesenheit trotz Abwehr.

Gründe für so einen empfundene Anwesenheitspflicht können da vom ganz banalen Gruppendruck (»Alle meine Freunde sind da«) bis hin zu handfesten wirtschaftlichen Interessen (»Meine PR-Agentur sagt, Twitter ist ein ganz heißes Ding« oder wahlweise:  »Obama hat doch auch getwittert?«) reichen.

Dass sich gerade ein Kommunikations-Medium wie Twitter nur schwer angemessen - und damit mit einem nachhaltigen Nutzen -  füllen kann, wenn man es nicht schafft, die Skepsis hinter sich zu lassen und es einfach zu TUN, liegt auf der Hand.

Bild aus dem Influential Marketing Blog und via bluelectric.

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